Du stehst hinter der Bühne und wartest auf deinen Auftritt. In ein paar Minuten geht’s los. Dir läuft ein Schauer über den Rücken, dein Magen wird flau, deine Hände fangen an zu zittern, auf deiner Stirn bilden sich Schweißperlen. Du willst es nicht, aber es ist da – das Lampenfieber.

 

Lampenfieber äußert sich in unterschiedlichen Ausprägungen. Bei manchen Musikern ist es „nur“ eine leichte Nervosität, bei anderen manifestiert sich eine lähmende Angst. Das ein oder andere vielversprechende Talent hat deswegen sogar schon eine aussichtsreiche Karriere an den Nagel gehängt. Damit dir der Umgang mit Lampenfieber zukünftig leichter fällt, habe ich in diesem Artikel ein paar bewährte Strategien zusammengestellt. Lass‘ uns zuvor aber noch kurz besprechen, was Lampenfieber eigentlich genau ist.

 

Was ist Lampenfieber genau?

Im Grunde ist der Begriff „Lampenfieber“ eine Umschreibung für Nervosität oder Angst. Dein Körper schüttet vermehrt Adrenalin aus. Gleichzeitig fällt es dir schwer, klar zu denken. Trotzdem ist Angst erst mal gar nicht negativ zu bewerten. Sie gehört nämlich zum Leben dazu, denn sie bewahrt dich davor, blindlings in dein Verderben zu rennen – mal ganz geradeheraus gesprochen. Das mag heutzutage nicht mehr so relevant sein. Aber für unsere Vorfahren aus der Steinzeit war die Angst ein guter Begleiter, wenn es darum ging, sich rechtzeitig vor einem Säbelzahntiger in Sicherheit zu bringen. Wir konzentrieren uns aber jetzt mal wieder schnell auf die Gegenwart.

 

Bei Lampenfieber handelt es sich um eine Form der Angst, die sich auf negativen Gedanken begründet. Du löst es quasi selbst aus, indem du dir ausmalst, was in einer bevorstehenden Situation – also z. B. einem Auftritt – alles schief gehen könnte. Dadurch gelangst du mental ganz schnell in eine Negativ-Spirale, aus der du unter Umständen nicht mehr so leicht rauskommst.

 

Die erste gute Nachricht: du bist nicht allein. Viele Musiker leiden unter Lampenfieber – auch die berühmten.

 

Die zweite gute Nachricht: Lampenfieber lässt sich sehr wirksam bekämpfen, indem du die negative Gedankenspirale durchbrichst und dir selbst Sicherheit für deinen bevorstehenden Auftritt gibst. Was du konkret gegen Lampenfieber tun kannst, fasse ich im Folgenden für dich zusammen:

Lampenfieber zulassen

Der erste Schritt besteht darin, dass du dein Lampenfieber annimmst und als Bestandteil deiner Persönlichkeit akzeptierst. Dann ist es dir nämlich möglich, einen fast liebevollen Umgang damit zu pflegen. Du kannst dir dieses Gefühl in Ruhe betrachten und ergründen, was es mit dir macht. Und vielleicht erkennst du auch den ein oder anderen positiven Aspekt am Lampenfieber. Auf jeden Fall gilt: nur was du zulässt, kannst du auch wieder loslassen.

Bewegung

Lampenfieber verursacht Stress. Ein wirksames Mittel dagegen ist Bewegung. Wenn du also spürst, dass dich Lampenfieber überkommt, dann bewege dich. Das heißt jetzt nicht, dass du kilometerweit joggen musst. Aber vielleicht hast du ja die Möglichkeit, vor dem Auftritt noch eine kleine Runde an der frischen Luft zu drehen. Ich kenne auch Musiker, die vor einem Auftritt hinter der Bühne einfach auf und ab laufen, um ihre Nerven zu beruhigen. Auch wenn das von außen betrachtet etwas komisch aussehen mag – erlaubt ist, was hilft.

Entspannung

Lampenfieber ist ein Ausdruck körperlicher und geistiger Anspannung. Was liegt da also näher, als diese Anspannung zu lösen? Zu diesem Zweck gibt es sehr wirkungsvolle Entspannungsverfahren, z. B. die Progressive Muskelentspannung, das Autogene Training oder Yoga. Wenn du wissen willst, wie diese Verfahren funktionieren und für wen sie geeignet sind, dann lies doch mal in diesen Artikel rein. Schau dir die einzelnen Techniken an und probiere in Ruhe aus, welche für dich am besten passt.

Positiv denken

Negative Gedanken lassen sich am besten lösen, indem du sie durch positive Gedanken und Bilder ersetzt. Wenn du dir also in einem Zustand von Lampenfieber ausmalst, was beim Gig alles schiefgehen könnte, dann funktioniert das durchaus auch in die andere Richtung.

 

Im Mentalcoaching arbeite ich viel mit stärkenden inneren Bildern, sog. Visualisierungen oder Imaginationen. Dabei stellst du dir eine konkrete Situation (deinen Auftritt) so detailliert wie möglich und unter Einbezug all deiner Sinne vor. Du malst dir also aus, wie du den geilsten Auftritt deines Lebens hinlegst. Du siehst vor deinem inneren Auge, wie du die Bühne rockst und du das Publikum voll und ganz auf deiner Seite hast. Du versetzt dich total in diese Situation hinein. Das machst du immer und immer wieder. Dadurch programmierst du im Prinzip deine eigenen Gedanken um. Für negative Gedankenmuster ist dann bald kein Platz mehr und Lampenfieber ist für dich dann nichts anderes als die freudige Erwartung auf das, was du gleich auf der Bühne abreißen wirst.

Rituale

Eine weitere wertvolle Hilfe im Umgang mit Lampenfieber sind Rituale. Sportlern wird ja immer wieder gerne nachgesagt, dass sie solche festgelegten Abläufe insbesondere vor Wettkämpfen haben. Rituale geben dir Sicherheit und schaffen Ruhe. Ob du es dir nun zur Gewohnheit machst, den rechten vor dem linken Schuh anzuziehen, kurz zu meditieren oder dich gemeinsam mit der Band aufzuwärmen – auch hier gilt wieder: erlaubt ist, was dir hilft. Das kann übrigens auch bedeuten, dass du immer ein bestimmtes Kleidungsstück auf der Bühne trägst. Auch das gibt Sicherheit.

Selbstvertrauen

Selbstzweifel sind ein echter Nährboden für Lampenfieber. Wenn du von dir und deinen Fähigkeiten nicht überzeugt bist, verstärkt das die Nervosität natürlich noch – von den negativen Gedanken ganz zu schweigen. Was du also brauchst ist eine gute Portion Selbstvertrauen. Das kannst du aufbauen, indem du dir bewusst machst, was deine persönlichen Stärken sind und dass du ein guter Sänger/Gitarrist/Schlagzeuger, etc. bist. Wenn du weißt, was du kannst, hast du keinen Grund mehr, nervös zu sein – Lampenfieber adé.

Interaktion mit dem Publikum

Lampenfieber hast du nicht unbedingt nur VOR dem Auftritt, sondern unter Umständen auch noch während du schon auf der Bühne stehst. Du willst natürlich keinen Fehler machen und deinem Publikum gefallen. Dessen Urteil entscheidet schließlich über deinen Erfolg oder Misserfolg. In einer solchen Situation hilft es übrigens nicht, wenn du dir deine Fans nackt vorstellst. Dadurch erniedrigst du die Menschen ja im Prinzip und ist es nicht viel schöner, seinem Publikum auf Augenhöhe zu begegnen? Deshalb lautet mein Tipp an dieser Stelle: binde dein Publikum mit ein. Erzähl‘ die eine oder andere Anekdote aus eurer Karriere als Band, lass die Leute singen oder auf Kommando jubeln. Durch die Interaktion bekommst du direktes Feedback und dadurch wiederum ein Gespür für die Menschen. Habt Spaß miteinander! Wer Spaß hat, hat keine Angst.

Soweit meine sieben Tipps für einen besseren Umgang mit Lampenfieber. Ich habe sie so gewählt, dass sie für dich gut umzusetzen sind, quasi im Selbstcoaching. Wahrscheinlich sind nicht alle meine Vorschläge für dich passend. Lampenfieber ist eine sehr individuelle Angelegenheit und genauso individuell ist die Wirkung der von mir beschriebenen Maßnahmen. Picke dir einfach die Tipps heraus, die dir persönlich zusagen und für dich machbar erscheinen. Und dann probiere sie einfach mal aus.

 

Wenn du allerdings schon einige Maßnahmen erfolglos getestet und du das Gefühl hast, allein nichts gegen dein Lampenfieber ausrichten zu können, dann hole dir professionelle Unterstützung. Ein erfahrener Coach kann dir von außen noch einmal ganz andere Impulse geben. Außerdem hilft er dir beim Dranbleiben. Wenn du wissen willst, wie ich dich im Umgang mit Lampenfieber unterstützen kann, dann vereinbare einfach mal ein unverbindliches und kostenloses Erstgespräch mit mir. Ich bin gerne für dich da.

Welche Erfahrungen hast du mit Lampenfieber gemacht? Was hilft dir dagegen? Schreib‘ mir einen Kommentar, ich bin gespannt 🙂

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