Eigentlich hatte ich für heute ein ganz anderes Thema geplant. Aber dann habe ich diesen Facebook-Post von Tobias Sammet von Avantasia gelesen. Deshalb schreibe ich jetzt über Authentizität. Ich schreibe darüber, wie wichtig es ist, bei dir selbst zu bleiben. Ich erkläre dir, warum es nicht nur für deine Gesundheit wichtig ist, dass du dich nicht verbiegen lässt. Und du erfährst, was du in meinen Augen tun solltest, um authentisch zu bleiben. Aber alles der Reihe nach…

 

Authentisch – was ist das eigentlich?

Laut Duden bedeutet das Wort so viel wie „echt; den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig“.

 

Zum Substantiv Authentizität findet man dort außerdem die Synonyme EchtheitGlaubwürdigkeitSicherheitVerlässlichkeitWahrheit und Zuverlässigkeit.

 

Bezogen auf dich und deine Musik bedeutet das, dass du dann authentisch bist, wenn du ehrliche Musik machst, die aus deinem Herzen kommt und dich dadurch glaubwürdig erscheinen lässt. Solche Musik kannst du aber nur machen, wenn du dich frei von äußeren Einflüssen und Erwartungen machst und deinen Gefühlen und deiner Kreativität freien Lauf lässt. Und damit sind wir auch schon beim eigentlichen Thema…

Warum du dich nicht verbiegen solltest

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Es liegt in unserer Natur, mit anderen Menschen interagieren zu wollen. Wir wollen uns zugehörig fühlen. Deshalb sind wir auch bereit, Kompromisse einzugehen, um nicht von der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden.

 

Doch wer ständig seine Bedürfnisse ignoriert und sich nach den Erwartungen anderer richtet, setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Körperliche und psychische Erkrankungen können die Folge sein. Aber selbst, wenn es nicht soweit kommen sollte, ruinierst du dir durch permanente Selbstverleugnung dein Selbstbewusstsein.

 

Wenn du nicht zu dir selbst und für dich selbst einstehst, machst du dich zum Spielball deiner Umwelt. Du nimmst dir jede Kritik zu Herzen und wirst ständig versuchen, es allen recht zu machen. Da das aber natürlich so gut wie unmöglich ist, bist du in einem Teufelskreis gefangen.

 

Wenn du nicht authentisch bist, ist das vor allem für einen gefährlich – für dich selbst. Aber was ist eigentlich mit deinen Fans?

Die kritische Masse

Musik ist Geschmackssache. Was gefällt und was nicht, ist rein subjektiv. Deine Fans werden nicht immer alles mögen, was du machst. Das geht dir als Fan ja sicher genauso. Und selbst von deinen eigenen Songs magst du manche mehr als andere, oder?

 

Es wird für dich also immer eine Gratwanderung sein, zu entscheiden, ob du Musik machst, von der DU überzeugt bist, oder ob du dich nach den Wünschen deiner Fans richtest (von der Plattenfirma wollen wir hier gar nicht reden). Ich glaube, dass letzteres der falsche Weg ist. Tobias‘ Karriere bestätigt das – und nicht nur seine. Da fallen dir spontan sicher auch ein paar positive Beispiele ein, nicht wahr? 😉

 

Was passiert aber nun, wenn deine Fans einen Song oder vielleicht auch ein ganzes Album scheiße finden? Im schlimmsten Fall wenden sie sich von dir und deiner Musik ab. Ich wage aber mal zu behaupten, dass das eher die Ausnahme sein wird. Meistens beschränkt es sich darauf, ein bisschen zu meckern und den „guten alten Zeiten“ nachzutrauern.

 

Entscheidend ist, wie du mit diesen Reaktionen umgehst. Es ist sicher nicht förderlich, wenn du wie eine beleidigte Leberwurst reagierst und wild um dich schlägst. Klar sollst du sagen, wenn dir eine Kritik nicht passt. Und ja, du darfst auch ruhig mal zeigen, wenn dich etwas sehr getroffen hat. Das ist menschlich – und authentisch 😉 Wenn du dir einen wertschätzenden Umgang mit deinen Fans bewahrst und souverän auf deren Kritik reagierst, werden sie dir das hoch anrechnen. Und in ein paar Jahren ist das Album, das heute noch doof ist, auf einmal „geiler alter Scheiß“ 😉

Bleib‘ authentisch!

Bei sich selbst zu bleiben und souverän zu agieren – darüber lässt sich leicht schreiben. In der Realität ist das natürlich nicht immer ganz einfach. Deshalb habe ich für dich mal ein paar Punkte herausgesucht, die in meinen Augen unverzichtbar sind, wenn du authentisch bleiben willst. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bieten dir aber vielleicht einen guten Leitfaden.

Hör‘ auf deine innere Stimme

Dieser Punkt steht an erster Stelle, weil er nach meinem Empfinden der wichtigste ist. Nur DU allein weißt, was für dich richtig ist und was nicht. Halte immer mal wieder inne und nimm wahr, was tief in dir drin passiert. Lass‘ nicht zu, dass die Verbindung zu deiner inneren Stimme abreißt. Sonst verlierst du dich irgendwann selbst.

 

Sag‘, was du denkst

Das hab‘ ich weiter oben ja schon angesprochen. Wenn dir etwas auf den Keks geht, dann sag‘ es. Wenn du eine bestimmte Vorstellung davon hast, wie etwas sein soll, dann sag‘ es. Steh‘ zu dir selbst, zu deiner Meinung, deinen Wünschen und Träumen.

 

Scheiß‘ drauf, was andere denken

Damit meine ich nicht, dass du dich nicht dafür interessieren solltest, was andere sagen. Du sollst kein soziales Arschloch sein. Worum es mir geht ist, dass du dich von anderen nicht so stark beeinflussen lässt, dass du deine eigenen Prinzipien über Bord wirfst. Entwickle ein gesundes Selbstvertrauen. Hör‘ dir an, was andere zu sagen haben und entscheide dann, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht.

 

Mach‘ deine eigenen Regeln

Wenn du nicht nach den Regeln anderer spielen willst, solltest du deine eigenen machen. Das fängt bei deinem Tagesablauf an und hört beim Plattenvertrag auf. Natürlich erfordert das ein wenig Verhandlungsgeschick, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen. Aber es lohnt sich, denn es macht dich zu einem Partner auf Augenhöhe.

 

Sei fair

Bei all dem, was ich oben beschrieben habe, ist eines extrem wichtig: behandle dein Umfeld immer fair. Es ist kein Beinbruch, unterschiedlicher Meinung zu sein und ja, ab und zu müssen auch mal Fetzen fliegen. Wichtig ist, dass du nie den Respekt vor anderen verlierst. Verhalte dich deinen Mitmenschen gegenüber wertschätzend, dann wirst du dasselbe zurückbekommen.

Bleib‘ in Balance

Du lebst für deine Musik. Das ist nachvollziehbar und völlig in Ordnung. Allerdings kannst du die Energie, die du dafür benötigst, langfristig nur erhalten, wenn du dir zwischendurch immer wieder kleinere und größere Pausen gönnst. Ich nenne das Music-Life-Balance. Pausen sind ungemein wichtig für deine Kreativität. Sie wird dann quasi neu entfacht. Das geht mal schneller oder dauert mal länger. Aber es wirkt.

 

Erschaffe dir ein starkes Netzwerk

Es ist immer gut, wenn du Menschen um dich herum hast, die dich wirklich gut kennen und unterstützen. Und du brauchst Menschen, denen das ganze Musik-Gedöns und dein Erfolg völlig egal sind. Ein starkes Netzwerk gibt dir Rückhalt – und fängt dich auf, wenn es mal echt beschissen läuft.

 

Geh‘ mutig deinen Weg

Was auch geschieht, lass‘ dich nicht beirren. Es wird nicht immer leicht sein, deinen Traum zu leben. Der Weg wird mitunter steinig und kurvenreich sein. Wenn du an das glaubst, was du machst, wirst du irgendwann Erfolg haben. Du musst nur lange genug durchhalten.

 

Bewahre dir deine Bodenständigkeit

Neben deiner inneren Stimme ist das der wichtigste Aspekt. Egal, was du tust, wie erfolgreich du irgendwann sein wirst, verliere nie die Bodenhaftung. Sei dankbar für das, was du hast. Du darfst deinen Traum leben, das ist nicht allen Menschen vergönnt. Erfolg und Bodenständigkeit schließen sich nicht gegenseitig aus. Ganz im Gegenteil. Es macht authentisch 😉

Oha, ich hätte nicht gedacht, dass der Artikel so lang wird. Aber so ist es, wenn man erst mal im Fluss ist 🙂 Ich hoffe, du kannst aus meinem Beitrag etwas für dich mitnehmen. Das wäre mir eine wirklich große Freude.

Und jetzt du: Teilst du meine Meinung? Oder siehst du es ganz anders? Wie ist es für dich, Erfolg und Authentizität unter einen Hut zu bekommen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

2 Kommentare

  1. Diane Eisenhawer

    Liebe Carina.
    Ich bin voll und ganz mit Dir einer Meinung. Vielen Musikern geht es so, dass sie auf ihrem Weg zum Erfolg sich oftmals für ein Publikum oder auch für einen Lehrer so verbiegen, dass sie am Ende gar nicht mehr wissen, wer sie sind und was sie eigentlich für eine Botschaft in die Welt aussenden wollen. In Ansätzen habe ich so etwas auch schon erlebt. Doch zum Glück hatte ich Menschen in meiner Nähe, die das, was mich ausmacht, das was anders ist als bei anderen Musikern, eben das Authentische, besonders zu schätzen wussten und die mich ermuntert haben, genau damit weiter zu machen. Und siehe da: Der Erfolg kam von ganz alleine. Mir ist bewusst geworden, das jede Musik und jede Art der Darbietung ihre Daseinsberechtigung hat. Daher kann sich jeder Musiker sicher sein, wer authentisch ist und bleibt, ist vielleicht nichts für die breite Masse, aber er findet genau die Fans, die mit ihm auf einer Wellenlänge sind und die ihn lieben und ihm treu sein werden, eben weil er so ist wie er ist.???❤
    Diese Philosophie lässt sich übrigens auf jeden anderen Lebensbereichen übertragen.?
    Vieken Danke für diesen schönen Artikel.

    Diane Eisenhawer (Hochzeitssängerin)

    Antworten
    • Carina Reitz

      Liebe Diane, vielen Dank für dein wundervolles Feedback <3 Es freut mich sehr, dass ich rüberbringen konnte, was mir eine echte Herzensangelegenheit ist. Und ich bin vollkommen bei dir: diese Philosophie gilt für alle Lebensbereiche! 🙂

      Liebe Grüße
      Carina

      Antworten

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